Inmitten der innereuropäischen Grenzlage zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien liegt der Selfkant – eine Region, die wie kaum eine andere die komplexe Geschichte europäischer Grenzziehungen verkörpert. Hier soll mit „ZwischenHeimaten" eine Ausstellung entstehen, die das Phänomen Grenze neu erzählt und damit einen wegweisenden Beitrag zur politischen Bildung und euregionalen Verständigung leistet. Die Herausforderung war so komplex wie der Themenbereich selbst: Wie kann eine fast sammlungslose Ausstellung die abstrakte Thematik von Grenzen greifbar, erlebbar und verständlich machen? Wie entwickelt man eine Marke, die sowohl lokale Verwurzelung als auch europaweite Relevanz ausstrahlt? Und wie schafft man es, aus einem historischen Gebäudekomplex einen lebendigen Lern- und Begegnungsort zu formen?
Das selbst gesetzte Ziel war die Entwicklung einer überregionalen, kulturellen und touristischen Marke, die den Selfkant als westlichsten Grenzpunkt Deutschlands zum Impulsgeber für die Auseinandersetzung mit Grenzphänomenen aller Art positioniert. Ein herausfordernder Ansatz, der weit über klassische Heimatmuseen hinausgeht und stattdessen hochaktuelle gesellschaftspolitische Fragen in den Fokus rückt. Die inhaltliche Grundlage bildete ein umfassender konzeptioneller Ansatz, der Grenzen nicht nur als territoriale Linien, sondern als allgegenwärtiges Phänomen unseres Zusammenlebens begreift. Von persönlichen Raumwahrnehmungen über gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen bis hin zu staatlichen Hoheitsgrenzen spannt die Ausstellung einen Bogen, der alle Lebensbereiche durchzieht.
Das zentrale Narrativ: Grenzen sind menschengemachte Konstrukte – und damit veränderbar. Die daraus entwickelte Markenidentität „ZwischenHeimaten" spiegelt diese Vielschichtigkeit wider. Der Name selbst wird zur Botschaft: Im Grenzraum entstehen nicht nur Trennungen, sondern auch Verbindungen, nicht nur Heimat, sondern Heimaten – im Plural.
Die prägnante Wort-Bild-Marke zitiert territoriale Symbolik und verdeutlicht zugleich dessen temporäre Qualität. Aus dem Zusammenspiel von Schwarz-Weiß entstehen Mischzone wie Grenzpfosten, und mit der prägnanten und historisch geschlechtsübergreifend genutzten Akzentfarbe „Pompadour-Pink“ unterstreicht sie die Botschaft der Ambivalenz von Grenzen. Im Zentrum der neuen Marke steht die Kommunikation des Grundgedankens: „Gemeinsam mit Grenzen leben." Diese Botschaft richtet sich gleichermaßen an lokale Bewohner, Touristen, Schulklassen und internationale Fachbesucher. Sie lädt ein zur Reflexion über eigene Grenzziehungen und ermutigt zum konstruktiven Umgang mit Unterschieden.
Unsere Ausstellungskonzeption folgt einem Dramaturgie-Bogen über fünf thematische Bereiche: Vom Individuum über Gesellschaft und Staat bis hin zur konkreten Geschichte des Selfkant und schließlich zum Alltag mit Grenzen. Innovative Inszenierungsformen und Spiele wie „Grenzverschiebung“ oder „Akkulturation" machen abstrakte Konzepte sinnlich und spielerisch erfahrbar. Besonders wichtig war uns auch die Erweiterung des Konzepts auf den Außenraum. Installationen wie der „Gesellschafts-Irrgarten", die „Border Wall"-Nachbildung oder der „Kulturengarten" mit seinen „geschätzten Einwanderern" aus der Pflanzenwelt schaffen zusätzliche Erlebnisebenen und verdeutlichen: Grenzthemen sind nicht auf Ausstellungsräume beschränkt, sondern prägen unseren gesamten Lebensraum.
Was sind unsere eigenen Grenzen, und wie nehmen wir sie wahr?
Warum sind Schutz und Rechte mit Machtraum und Handlungsgewalt verbunden?
Wie wurde der Selfkant zum Prototyp europäischer Siedlungsgeschichte?
Die geplante euregionale Vernetzung mit Partnern in den Niederlanden und Belgien macht „ZwischenHeimaten" zu einem grenzüberschreitenden Projekt im wahrsten Sinne des Wortes. So entsteht nicht nur eine Ausstellung, sondern ein lebendiges Netzwerk für den kontinuierlichen Dialog über eine der drängendsten Fragen unserer Zeit.
Das Ergebnis ist mehr als ein Museumsprojekt – es ist ein Statement für Europa. In Zeiten wachsender Polarisierung und mentaler Grenzziehungen bietet es einen Raum für Reflexion, Dialog und neue Perspektiven. Ein Ort, an dem die Botschaft gelebt wird: Grenzen trennen nicht nur – sie können auch verbinden.